Nur Mut zum Risiko – die Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern!

10. Oktober 2018

Die Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern, bedeutet auch ihr Körperbewusstsein und Selbstvertrauen zu stärken. Doch dafür muss ein Kind sich ausprobieren dürfen. Es muss seine Grenzen kennenlernen, Risiken erfahren und Herausforderungen meistern dürfen. Zum Austesten der eigenen Fähigkeiten ist der Spielplatz ein idealer Ort. Über eins sind sich Pädagogen und Wissenschaftler längst einig: Für Kinder ist es ein Risiko, kein Risiko einzugehen! Dennoch hat sich die Menge an Risiken, die man einem Kind beim Spielen zumutet drastisch reduziert. Der Normenkatalog zur Spielplatzsicherheit umfasste 1976 gerade mal 8 Seiten – die jetzt gängige Norm DIN EN 1176 dagegen 80 Seiten mehr! Wie sinnvoll ein solcher Packen an Sicherheitsregeln für Spielplatzgeräte und Co. noch sein kann, darüber ist man sich uneins. Spielen ganz ohne Risiko nutzt der Entwicklung einer gesunden Selbstwahrnehmung nicht viel – doch ganz ohne Sicherheitsvorkehrungen geht es natürlich auch nicht.

Warum das Erleben von Misserfolgen für Kinder so wichtig ist

Wie essentiell Misserfolge für die Entwicklung und die Selbstwahrnehmung von Kindern sind, zeigt der Prozess des „Laufenlernens“: Jedes Kind ist bei dem Versuch sicherlich mehr als einmal auf den Popo geplumpst. Und das ist auch wichtig! Nur über das Fallen können Kinder ihr Körperbewusstsein weiterentwickeln und das Gehen erlernen. Kinder die beispielsweise mit Lauflernwägen groß wurden, können zwar laufen, wissen aber überhaupt nicht, wie sie mit einem Sturz umgehen sollen. Infolgedessen zieht das unerwartete, ungeübte Fallen mitunter viel schlimmere Verletzungen nach sich, als bei Kindern, welche dieses gleich mitgelernt haben. Über die Aneignung neuer körperlicher Fähigkeiten lässt sich auch die Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern. Doch dies funktioniert nur über die Bewältigung unbekannter Situationen. Ein bisschen Nervenkitzel macht dazu richtig Spaß! Fremde Höhen erklimmen, hohe Geschwindigkeiten erleben, mit Wasser spielen – die schönsten Kindheitserinnerungen sind meistens die, die auch ein bisschen riskant waren.

Die Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern heißt loszulassen

Die Sicherheit steht gerade bei Einzelkindern ständig im Fokus. Eltern gehen meistens vom Schlimmsten aus und malen sich Horrorszenarien aus. Der Behütungs-Trend mag daher stammen, dass – trotz steigender Geburtenrate – Ein-Kind-Familien die Norm sind. Bei Großfamilien fiel der Umgang mit kindlichen Freiräumen natürlich viel lockerer aus. In den letzten 50 Jahren haben sich diese jedoch drastisch reduziert. Nach Jürgen Einwanger schrumpfte der Radius, in welchem sich junge Jugendliche ohne Aufsicht bewegen dürfen, auf ein Zehntel dessen, was noch vor 50 Jahren üblich war. Dementsprechend hat sich auch die tägliche Bewegung drastisch reduziert. Von früheren 20 Kilometern laufen Kinder heutzutage vielleicht noch 800 Meter – dem Auto sei Dank.

Viele Eltern nehmen heutzutage ihren Kindern jegliche Eigenverantwortung ab: Auf Spielplätzen sind sie ständig da, beurteilen jeden Schritt und Tritt, fangen auf, leiten an – das Kind braucht nichts mehr selbstständig zu entscheiden, ein wirkliches Spiel kommt so aber auch nicht zustande. Dabei wollen Kinder Herausforderungen meistern, um sich selbst besser einschätzen zu können. Wer die Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern will, sollte also lernen die Kontrolle auch mal an das Kind abzugeben. Vielleicht erinnert sich so mancher daran, wie viel spannender es war, auf der Gehsteigkante zu balancieren, als einfach nur auf dem Weg zu laufen. Auch als Babys haben wir laufend erkundet und ausprobiert – der einzige Weg um sich als Kind die Welt anzueignen.

Unterforderung heißt Langeweile – Überforderung heißt Frust!

Um die Selbstwahrnehmung bei Kindern richtig zu fördern, gilt hier, wie bei vielen anderen Dingen auch: Der richtige Weg ist ein gutes Mittelmaß. Ohne Wagnisse und Herausforderungen können Kinder ihre eigenen Fähigkeit nicht austesten. Ihre Selbstwahrnehmung bleibt unterentwickelt und das ist ein Problem. Kinder müssen lernen Entscheidungen zu treffen, ihre Fähigkeiten selbstständig einzuschätzen und mit Misserfolgen umzugehen. Wenn sie beispielsweise um die Sicherheitsvorkehrungen eines Geräts wissen, besteht die Gefahr der Überschätzung, da sie mitunter einfach darauf vertrauen, dass das Spielgerät sicher ist. Sicherheitsnormen auf Spielplätzen sind dabei aber insofern wichtig, dass Gefahren, die Kinder nicht erkennen können, vorgebeugt wird. Todesfälle oder bleibende, gesundheitliche Schäden gilt es natürlich unbedingt zu vermeiden. Dafür müssen insbesondere neue Spielgeräte auf versteckte Gefahren überprüft werden.

Fazit: Die Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern – mehr Mut zum Risiko

Ein gewisses Risiko muss es geben, damit sich Kinder weiterentwickeln können – es sollte aber altersgerecht, wahrnehm- und einschätzbar sein. Sobald Kinder Herausforderungen meistern dürfen, spricht man ihnen auch Eigenverantwortung und ein Gefühl von Kontrolle zu: „Ich hab das allein geschafft!“ Ein solches Hochgefühl ist die Grundlage für mehr Selbstvertrauen, Unabhängigkeit und eine gesunde Erwartungshaltung. Kinder die wenig auf ihre (körperlichen) Fähigkeiten vertrauen, einfach weil sie nie die Chance hatten, diese richtig auszuprobieren, schrecken mitunter schon vor leichten Aufgaben zurück. Die Angst vor dem vermeintlichen Versagen ist zu groß. Ganz nebenbei profitiert durch die Bewegung auch die Gesundheit des Kindes. Für eine gute Entwicklung sind Herausforderungen, an welchen Kinder wachsen können, also unerlässlich! Um die Selbstwahrnehmung bei Kindern zu fördern, sollten Eltern und Pädagogen also ein wenig mehr Mut zum Risiko zeigen.

Zum Weiterlesen: 5 Gründe warum Klettern für Kinder gut ist? Das lesen Sie hier!

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