Barrierefreie Spielgeräte: Inklusion auf dem Spielplatz

12. Juli 2020

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit: Kinder lieben Spielplätze und ausgelassen darauf zu spielen – am liebsten natürlich zusammen mit Freunden. Doch bieten viele Spielplätze nicht jedem Kind die Möglichkeit dazu. Kinder mit einer körperlichen Einschränkung, dabei vor allem Kinder, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, werden auf Spielplätzen oft mit unüberwindbaren Hindernissen konfrontiert – und bleiben so schnell einmal beim Spielen außen vor. Deshalb ist es wichtig, dass Spielplätze barrierefreie Spielgeräte bieten, mit denen sich ausnahmslos alle Kinder beschäftigen können. Damit die Inklusion auf dem Spielplatz gelingt, gibt es allerdings einiges zu beachten. In diesem Blogbeitrag erklären wir Ihnen, was.

Barrierefreie Spielgeräte fördern die Selbstständigkeit

Barrierefreie Spielgeräte erfüllen – neben reichlich Spielspaß – in erster Linie einen Zweck: Sie erlauben Kindern mit einer körperlichen Einschränkung selbstständig zu spielen. Denn für diese sind reguläre Spielgeräte oft nur mit fremder Hilfe nutzbar. Mit einem Erwachsenen, der sie stützt und hält oder auf ein Spielgerät hebt. Das mindert zweifellos den Spaß – und gleichzeitig auch das Selbstbewusstsein. Dabei ist eben dieses unwahrscheinlich wichtig für Kinder, um selbstständig zu werden.

Dank barrierefreier Spielgeräte werden Kinder mit einer körperlichen Behinderung nicht vor unlösbare Probleme gestellt, vor allem aber fühlen sie sich nicht länger hilflos. Stattdessen ermöglichen die Spielgeräte ihnen, selbst Initiative zu ergreifen und sich im Spiel mit anderen Kindern auseinanderzusetzen. Auf diese Weise sind Erfolgsergebnisse garantiert und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten steigt – genau wie das Selbstwertgefühl.

Hinweis: Ob klein oder groß, im Spiel testen Kinder ihre Umwelt und den Umgang miteinander aus, kurz: Sie lernen. Auf diese Weise trägt Spielen entscheidend zur Entwicklung des Kindes bei. Wie genau das geschieht und welche unterschiedlichen Arten des Spiels es gibt, erläutern wir in unserem Blogbeitrag „Spielentwicklung in der frühen Kindheit: Welche Arten des Spiels gibt es?“.

Inklusion auf dem Spielplatz fördert das Sozialverhalten

Von barrierefreien Spielgeräten profitieren alle! Insbesondere natürlich Kinder, die aufgrund einer körperlichen Behinderung auf sie angewiesen sind. Ihnen ermöglichen die Spielgeräte eine unbeschwerte Zeit mit anderen Kindern, in der sie sich sorgenfrei dem Spiel widmen können, anstatt sich mit ihren Einschränkungen auseinanderzusetzen. Aber auch Kinder ohne eine Behinderung ziehen klare Vorteile daraus. Durch das Spielen mit Kindern mit körperlicher Behinderung lernen sie den richtigen Umgang mit ihnen. Das ist vor allem für jüngere Kinder vorteilhaft. Denn je früher man ihr Sozialverhalten fördert, desto stärker ausgeprägt ist es in ihrem späteren Leben. Im gemeinsamen Spiel mit Kindern mit einer körperlichen Behinderung lernen sie, dass dabei sowohl Rücksicht und Empathie gefragt sind als auch Offenheit gegenüber Lebenswelten, die sich stark von ihrer eigenen unterscheiden. Damit bietet sich ihnen eine gute Gelegenheit, über ihren Tellerrand hinauszublicken und Verständnis zu entwickeln, was ein wichtiger Bestandteil einer gelungenen Inklusion ist.

Mehr zum Thema Inklusion und inwiefern sie sich vom Begriff Integration abhebt, lesen Sie in unserem Blogbeitrag „Der Unterschied zwischen Integration und Inklusion im pädagogischen Kontext“.

Barrierefreie Spielgeräte – Was ist zu beachten?

Bei der Planung eines Spielplatzes mit barrierefreien Spielgeräten gibt es viel zu berücksichtigen. Für Planer ist es deshalb ratsam, sich vorab ausreichend zu informieren und zu beraten und, falls möglich, auch die späteren Nutzer des Spielplatzes in die Planung mit einzubeziehen. Als Zielpublikum können diese aus Erfahrung über ihren Alltag mit einer körperlichen Behinderung sprechen und berichten, welche Ansprüche barrierefreie Spielgeräte für sie erfüllen sollten.

Gute Infrastruktur und allgemeine Barrierefreiheit

Es kommt nicht nur auf die Spielgeräte an! Auch die Lage des Spielplatzes ist entscheidend. Lange Fußwege können für Kinder mit einer körperlichen Behinderung, darunter auch diejenigen, die auf einen Rollstuhl oder eine Gehhilfe angewiesen sind, oftmals anstrengend bis kaum zu bewältigen sein. Daher sollte ein barrierefreier Spielplatz eine gute Verkehrsanbindung besitzen, am besten mit Parkplätzen in Reichweite. Auch sollte der Spielplatz eine allgemeine Barrierefreiheit aufweisen, so dass Kinder sich problemlos zwischen den einzelnen Spielgeräten bewegen können. Sprich, er sollte sich auf ebenem Terrain befinden und auf Trennelemente verzichten, die überstiegen werden müssen, um an ein Spielgerät zu gelangen. Gleiches gilt für Treppenaufgänge zum Spielplatz. Sind diese nicht vermeidbar, sollte für Rollstuhlfahrer zumindest eine Rampe verfügbar sein.

Gemeinsamer Spielspaß

Allen voran sollen barrierefreie Spielgeräte Kindern ein fröhliches Miteinander ermöglichen; sie sollten also sowohl von Kindern mit als auch von Kindern ohne eine körperliche Behinderung genutzt werden können. Und zwar gemeinsam. Ziel ist es, den Spielplatz zu einem Ort der Inklusion zu machen. Dabei ist es auch wichtig, dass sämtliche Spielgeräte ein „universelles Design“ erhalten. Auf diese Weise ist kein Spielgerät als ‚andersartig‘ gekennzeichnet und kein Kind fühlt sich ausgegrenzt oder als erhalte es eine Sonderbehandlung.

Qualitativ hochwertige Spielgeräte

Grundsätzlich gelten für barrierefreie Spielgeräte natürlich auch die Anforderungen, die für gängige Spielgeräte gelten: Ein ganzheitliches Angebot von Spielgeräten ist wünschenswert. Geräte, die man lediglich betreten kann, oder die bloß eine Sitzgelegenheit bieten, bringen kaum Spielspaß. Eine tolle Optik ist definitiv ein Plus, jedoch sollte das Hauptaugenmerk auf den Nutzungsmöglichkeiten und somit auf dem eingebauten Spielwert der Spielgeräte liegen. Sie sollten intuitiv nutzbar und breit gefächert sein. Eine Auswahl unterschiedlicher Funktionen an einem Spielgerät ist vorteilhaft, besonders, wenn mehrere Kinder zur gleichen Zeit daran spielen. Dies fördert das kameradschaftliche Miteinander der Kinder und demnach ihr Sozialverhalten.

Arten körperlicher Behinderung – Was fordern sie speziell von Spielgeräten?

Behinderungen treten in den unterschiedlichsten Formen auf, so hat jedes Kind mit einer Einschränkung andere Herausforderungen zu meistern. Die Art der Behinderung wirkt sich dabei deutlich auf das Spielverhalten des jeweiligen Kindes aus.

Eingeschränkte Hörfähigkeit

Kinder mit eingeschränkter Hörfähigkeit haben meist mit Störungen des Gleichgewichts zu kämpfen, weshalb ihnen Geschwindigkeits- und Koordinationsspiele schwerfallen. Ihr eingeschränkter Hörsinn sorgt für eine verzögerte Reaktionsfähigkeit, weshalb sie Gefahren oft zu spät oder gar nicht wahrnehmen. Unterstützung bieten hier Bild- und Farbsymbole, welche Gefahren deutlich markieren. Da die besagten Kinder häufig unsicher in der Kontaktaufnahme sind, sollte auch diese gezielt gefördert werden. Das kann durch Spielelemente geschehen, die stetigen Sichtkontakt zu anderen Kindern sowie die Interaktion durch optische Spiele ermöglichen, so beispielsweise Kletternetze, Spiegel oder Tafeln zum Bemalen.

Eingeschränkte Sehfähigkeit oder Blindheit

Visuelle Einschränkungen bedeuten für Kinder erheblichen Bewegungsmangel, Probleme in der Grob- und Feinmotorik sowie Störungen des Gleichgewichts. Das führt in vielen Fällen zu Bewegungsangst und einem gestörten Raumverständnis. Kinder mit eingeschränkter Sehfähigkeit besitzen zudem einen sehr niedrigen Erkundungsdrang, da ihnen die die visuellen Anreize fehlen. Deshalb sollte man ihnen das Spielen im Freien ermöglichen, wo sich alternative sensorische Eindrücke bieten, wie etwa Wind, Wärme, Kälte, Licht und Schatten. Spielelemente aus unterschiedlichen Materialien, Formen und Gewicht wecken taktiles Interesse. Vor allem aber sollte die Spielumgebung frei von Stolperfallen und gut gesichert sein: Geländer verhindern Abstürze und milder die Angst, sich auf unbekanntem Terrain zu bewegen.

Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit

Ausgelassenes Spielen gestaltet sich auch für Kinder mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit schwierig. Da sie wenig bis gar keine Mobilität besitzen, sind viele von ihnen auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen. Die beeinträchtigte Motorik sowie der Mangel an Körperkraft und Ausdauer schließen die Benutzung vieler Spielelemente aus. Ein guter Lösungsansatz sind hier Spielgeräte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, an denen die Kinder selbst bestimmen, was sie sich zumuten. Außerdem sollten Spielanlagen leicht zugänglich sein. Ebenerdige Spielelemente können ohne Probleme betreten werden. Jedoch sind Geländer und Absturzschutz zur Sicherheit unverzichtbar. Einsehbare Bauteile erleichtern den Blickkontakt zu Aufsichtspersonen. Darüber hinaus gibt es speziell für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit entwickelte Spielgeräte wie etwa die Integrationswippe oder das Integrationskarussell, das auch im Rollstuhl sitzend benutzt werden kann.

Kognitive Beeinträchtigung und Autismus

Autistische Kinder und Kinder mit kognitiver Beeinträchtigung durchleben fast dieselben Entwicklungsstufen wie Kinder ohne Einschränkungen, bloß zeitlich verschoben. Meist kommt es daher zu einer verzögerten Entwicklung der Feinmotorik. Manche Kinder verrichten Bewegung aufgrund ihres schwächeren Muskeltonus auch deutlich langsamer. Auf kognitiver Ebene macht sich Autismus möglicherweise als Sprachstörung oder Aufmerksamkeitsdefizit bemerkbar, allen voran als Hochsensibilität. Hier bieten sich Spielgeräte an, welche die Fantasie anregen und zu Rollenspielen einladen. Auf diese Weise wird das sozial-emotionale Feingefühl gefördert. Außerdem sind auch hier Spielgeräte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen geeignet, die den Kindern selbstbestimmte Herausforderungen bieten. Auch sollten Ruhebereiche als Rückzugsmöglichkeit bei Reizüberflutung zur Verfügung gestellt werden.

Barrierefreie Spielgeräte – So geht’s richtig!

Wie genau barrierefreie Spielgeräte aussehen können, ist für viele womöglich schwer vorstellbar. eibe hat eine Vielzahl barrierefreier Spielgeräte im Sortiment, die sämtliche genannte Kriterien berücksichtigen und die Ansprüche von Kindern mit Behinderung damit bestens erfüllen. An dieser Stelle wollen wir ihnen anhand von vier Beispielen einen Eindruck vermitteln.

Sand- und Matschanlage Gran Paradiso

Spielen mit Sand geht immer. Besonders wenn es dafür auch noch eine tolle Spielanlage gibt. Die Sand- und Matschanlage Gran Paradiso ist dabei vorbildlich barrierefrei. Rollstuhlfahrer finden dank Rampenaufgang problemlos Zugang nach oben. Und ist man erst einmal auf der Anlage angekommen, bieten sich dort unterschiedliche Stationen für gemeinsamen Spielspaß mit Freunden: Eine Sandrutsche, ein Sieb sowie mehrere Flaschenzüge mit Gefäßen, über die Sand über die Anlage bzw. nach oben und unten transportiert werden kann.

Kleiner Fischkutter Nola

eibes Kleiner Fischkutter Nola ist das Paradebeispiel für ein gelungenes, barrierefreies Spielgerät. So macht es aufgrund seines tollen Looks optisch Eindruck und bietet zeitgleich verschiedene Spielmöglichkeiten, die zu Rollenspielen inspirieren – zum Beispiel eine überdachte Kabine mit Steuerrad, einen Sandkran an „Deck“ und einen cleveren Aufstieg im Fischernetz-Design. Der Kutter steht ebenerdig, so dass man die Kabine betreten kann, ohne dazu Stufen oder eine Schwelle zu passieren.

Integrationswippe

Was darf neben Schaukel und Rutsche auf keinem Spielplatz fehlen? Richtig – eine Wippe! Doch ist das Balance halten auf dem langen Spielgerät für viele Kinder eine Herausforderung – insbesondere für Kinder mit einer körperlichen Behinderung. eibes Integrationswippe bietet eine breite Sitzfläche und zwei Griffe an den jeweiligen Enden für zusätzlichen Halt. So kann fröhlich gewippt werden, ganz ohne Runterfall-Risiko.

Integrationskarussell

Auf diesem Karussell findet jeder Platz! Hier können Kinder mit einer körperlichen Behinderung sowie Kinder ohne eine körperliche Behinderung gemeinsam das Gefühl der Geschwindigkeit genießen. Die Scheibe liegt ebenerdig, so dass Rollstuhlfahrer eigenständig auf das Karussell fahren können. Bange vor einem Sturz braucht es dabei nicht, denn sobald der Sicherheitsbügel geöffnet wird, bringt eine Bremse das Karussell automatisch zum Stoppen. Sorgenfreie Karussellfahrten garantiert – aber Achtung vor dem Drehwurm!

Das eibe-Sortiment bietet noch weitere Spielgeräte für Kinder mit einer körperlichen Einschränkung. Eine Übersicht über das gesamte Angebot finden Sie im aktuellen eibe Spielplatzwelten-Katalog. Mehr Informationen zum Thema Inklusion sowie Behinderungen bei Kindern enthält die eibe Inklusionsbroschüre. Dort kann genau entnommen werden, welche Spielgeräte für welche Art der körperlichen Einschränkungen geeignet sind. Zur besseren Übersicht kennzeichnet eibe diese mit den entsprechenden Symbolen:

Das Spielen auf dem Spielplatz macht nicht nur Spaß, sondern trägt auch zur Bildung Ihres Kindes bei! Wie, das lesen Sie in unserem Blogbeitrag „Bildung durch Bewegung! Der Spielplatz fördert das Lernen“.

Bild 1: ClarkandCompany / Signature Kollektion / istockphoto.com
Bild 2: sweetmonster / Essentials Kollektion / istockphoto.com

2 Kommentare zu "Barrierefreie Spielgeräte: Inklusion auf dem Spielplatz"

  • Hayo Kerstin
    30. Juli 2020 / 8:35  |  Antworten

    Ich arbeite in einer heilpädagogischen Einrichtung.
    Könnten sie mir bitte einen Katalog zuschicken?
    Vielen Dank.

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