Sicherheitserziehung – den richtigen Umgang mit Gefahren lernen

18. April 2021

„Messer, Gabel, Schere, Licht ist für kleine Kinder nicht“, lautet ein alter Reim, der besagt, dass man Kinder von potenziell gefährlichen Gegenständen fernhalten soll. Viel richtiger als Kinder vehement vor Gefahren abzuschotten ist es jedoch, ihnen eine vernünftige Sicherheitserziehung zu ermöglichen. Aufklärung ist das Schlüsselwort, Kommunikation und Geduld, denn das alles erfordert es, damit Ihr Kind den richtigen Umgang mit Gefahren lernt. In diesem Blogbeitrag zeigen wir Ihnen, was es dabei zu berücksichtigen gibt.

Inhaltsverzeichnis

Das Gefahrenbewusstsein von Kindern

Vor allem im jungen Alter sind Kinder vollständig auf den Schutz und die Aufmerksamkeit der Erwachsenen angewiesen. Denn sie besitzen jede Menge Neugierde, Bewegungsdrang und Unbefangenheit – aber noch kein Gefahrenbewusstsein. Ist das Kind unbeaufsichtigt, kann das schnell zu fatalen Unfällen führen.


Bis sie 4 Jahre alt sind, erkennen Kinder in der Regel keine Gefahren. Erst mit 5 oder 6 Jahren bemerken sie, dass sie von Gegenständen, die sie hinaufgeklettert sind, auch herunterfallen können. Da die Reaktionszeit eines 5-Jährigen in etwa doppelt so lang wie die Reaktionszeit eines Erwachsenen ist, bietet dieses erste Erkennen jedoch noch keine Sicherheit. Mit 7 bis 8 Jahren beginnen Kinder vorausschauend Risiken zu erkennen und Gefahrenquellen festzustellen. Sie orientieren sich stärker an ihren Sinnen, so wird beispielsweise das laute Motorengeräusch eines großen Fahrzeuges als bedrohlich eingestuft. In den darauffolgenden Jahren bilden Kinder schließlich ein vorbeugendes Gefahrenbewusstsein aus, wenden ihr erworbenes Wissen über ihre Umwelt auf ihre Tätigkeiten an und handeln erstmals „vernünftig“. Diese Form des Gefahrenbewusstseins ist jedoch häufig erst mit dem 14. Lebensjahr ausgeprägt.

Sicherheitserziehung – Gefahren im Alltag

Gerade bei Babys und Kleinkindern ist die stetige Aufmerksamkeit der Eltern gefordert. Deshalb müssen Sie sich allen voran der potenziellen Gefahren im Alltag bewusst sein. Nicht nur, um Ihre Kinder vor Unfällen zu schützen, sondern auch, um sie später im Rahmen der Sicherheitserziehung auf sämtliche Gefahrenquellen aufmerksam zu machen.

Gefahren im Haushalt

Die häufigsten Unfälle passieren bekanntermaßen im Haushalt. Die folgenden Risiken gibt es zu beachten:

  • Verschlucken von kleinen Gegenständen
  • Verbrennungen durch Elektrogeräte wie Toaster, Herd und Bügeleisen, oder Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten
  • Vergiftungen oder Verätzungen durch Reinigungsmittel, giftige Pflanzen oder Medikamente
  • Stürze auf der Treppe, aus dem Fenster oder vom Balkon, bei Babys auch vom Wickeltisch
  • Elektrounfälle durch Steckdosen oder ungesicherte Stromleitungen
  • Ertrinken im Pool, Gartenteich oder anderen Gewässern

Gefahren im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr müssen Kinder unbedingt beaufsichtigt werden. 3- bis 4-Jährige können noch nicht einmal zwischen einem fahrenden und einem stehenden Auto unterscheiden. Auch 5- bis 6-Jährige sind gefährdet, da sie im Gegensatz zu einem Erwachsenen eine deutlich längere Reaktionszeit besitzen. Auch im Schulalter ist ihre Wahrnehmung und damit auch ihr Urteilsvermögen noch nicht weit genug ausgeprägt, um Gefahren richtig einschätzen zu können. Beim Überqueren einer Straße sollten kleine Kinder daher stets an der Hand oder zumindest an der Seite eines Erwachsenen geführt werden.

Gefahr durch Fremde

Natürlich ist es falsch, in jedem Unbekannten eine potenzielle Gefahr zu sehen, schließlich möchte man seinen Nachwuchs nicht zur Angst erziehen. Doch sollte die Gefahr durch fremde Personen in der Sicherheitserziehung dringend berücksichtigt werden. Auch hier ist die Einstellung der Eltern ebenso bedeutend wie die des Kindes. So ist es wichtig, dass innerhalb der Familie eine gute Vertrauensbasis herrscht. Sie sollten wissen, wo Ihr Kind zum Spielen hingeht und mit wem es sich täglich umgibt. Bringen Sie Ihrem Spross bei, laut und deutlich „Nein“ zu sagen, wenn es etwas nicht möchte und erklären Sie ihm, nicht mit unbekannten Menschen mitzugehen. Geben Sie ihm außerdem klare Handlungsanweisungen für den Ernstfall mit. Wird Ihr Kind von einem Fremden angesprochen und eventuell aufgefordert, mit ihm zu gehen, soll es in einen Laden gehen und um Hilfe bitten. Ein „Codewort“, welches nur die Familienmitglieder kennen, kann ebenfalls hilfreich sein.

Sicherheitserziehung – So bringen Sie Ihrem Kind Vorsicht bei

Spielerisch Sicherheit vermitteln

Selbst Kinder, die noch kein eigenes Gefahrenbewusstsein besitzen, lassen sich bereits an die Sicherheitserziehung heranführen. Denn im alltäglichen Geschehen bietet sich immer wieder die Gelegenheit, die Kleinen spielerisch auf Gefahren aufmerksam zu machen. Dabei können Sie gleichzeitig die Sinne Ihres Kindes trainieren. Geben Sie Ihrem Spross beispielsweise einen Eiswürfel in die Hand. Lassen Sie es einen Finger in heißes – nicht kochendes! – Wasser tauchen und die Unterschiede zwischen den Temperaturen erforschen. Dieses Prinzip können Sie anschließend auf Gegenstände in der Wohnung übertragen und gemeinsam erkunden, so sich eine heiße Zone, wie beispielsweise Herd und Backofen, befindet und wo kalte, wie etwa der Kühlschrank. Auch Gegenstände können durch vorsichtiges Ertasten als potenziell gefährlich markiert werden. Zum Beispiel spitze Nadeln, die beim Anfassen stechen.

Mit gutem Beispiel voran

Kinder eignen sich einen Großteil ihres Verhaltens an, indem Sie ihre Eltern beobachten und sie nachahmen. Das macht es für Erziehungsberechtigte umso wichtiger, selbst bedacht mit Gefahren umzugehen. Sie sind das Vorbild, an dem sich Ihr Spross orientiert, was einen bedeutenden Vorteil mit sich bringt: Sie besitzen die Aufmerksamkeit und das Interesse Ihres Kindes. Nutzen Sie diese bei der Sicherheitserziehung und erklären Sie ihm die Situation. Schildern Sie, welche potenzielle Gefahr droht und wie Sie sich verhalten, um diese zu umgehen.
Doch nicht nur die Eltern sind richtungsweisend. Auch Figuren in Büchern oder Filmen können bei der Sicherheitserziehung mitwirken, wenn sie mit einer Gefahr konfrontiert werden und diese dank des richtigen Verhaltens vermeiden. Sehen Sie sich also ruhig nach Büchern mit pädagogischem Mehrwert um, lesen Sie diese zusammen mit Ihrem Kind und sprechen Sie mit ihm über die dargestellte Gefahrensituation.

Kinder eigene Erfahrungen sammeln lassen

Wie ein Kind mit Gefahren umgeht und wie schnell es gefährliche Situationen einschätzen kann, hängt zu einem Großteil auch von den Erfahrungen ab, die es im Alltag macht. Die goldene Regel für Eltern lautet daher: Lassen Sie Ihrem Kind Freiraum – sowohl für positive als auch für negative Erfahrungen. Kinder müssen rennen und dabei auch einmal stürzen dürfen. Nur so lernen sie, beim nächsten Mal vorsichtiger zu sein. Sie müssen verstehen, dass ihr Tun Konsequenzen hat, damit sie ihre Aktionen zukünftig besser überdenken.


Achtung: Als Elternteil besitzen Sie eine Aufsichtspflicht! Dieser müssen Sie selbstverständlich nachkommen. Sobald ihr Kind also einer Gefahr ausgesetzt ist, die zu einer schweren Verletzung führen kann, müssen Sie einschreiten.

Bewegung verringert das Unfallrisiko

Je vertrauter man im Umgang mit seinem Körper ist, desto besser schätzt man auch die eigenen Fähigkeiten ein. Viel Bewegung verringert folglich das Unfallrisiko. Teil der Sicherheitserziehung ist es daher, Ihre Kinder zu Bewegung zu motivieren. Lassen Sie Ihre Kleinen möglichst oft herumtoben, rennen und klettern. Das ist nicht nur ein toller Ausgleich zum Sitzen in der Schule und zuhause, sondern hilft obendrein, ihre Grobmotorik zu trainieren. Auch Feinmotorik lässt sich mit Hilfe gezielter Übungen fördern. Animieren Sie Ihre Kinder zu gemeinsamen Spielen, um so ein besseres Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen.


Tolle Spielideen finden Sie in unserem Blogbeitrag „Alte Kinderspiele neu entdeckt: für drinnen & draußen“.

Hinweis: Beim Herumtollen auf dem Spielplatz ist eine gute Sicherheitserziehung hilfreich. Viele Eltern haben Sorge davor, dass ihr Kind von einem Spielgerät stürzt und sich schwer verletzt – ein Helm bringt aber keine zusätzliche Sicherheit, im Gegenteil: Warum ein Fahrradhelm auf dem Spielplatz fatale Folgen haben kann, lesen Sie hier.

Bild 1: Halfpoint / Essentials Kollektion / istockphoto.com
Bild 2: Imgorthand / Signature Kollektion / istockphoto.com

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